In der verspielten und überzuckerten Puppenstube herrscht Krieg.
Sowohl auf der herrschaftlichen Ebene des narzißtischen Prinzen und seines (Ver)Führers
Marinelli, als auch auf der bürgerlichen Ebene der Familie Galotti mit dem Vater-Tyrannen
Odoardo und der beständig an der Wirklichkeit manipulierenden Mutter Claudia geht es allen
um Macht und Vorteil, um eigene Ängste und seelische Verkümmerungen zu verdrängen.
Verstellung und Verlogenheit, Sentimentalität und Moralanspruch sind Leitmotiv und
Spielregeln der Figuren.
Jeder spielt das Spiel, jeder weiß, daß jeder das Spiel spielt.
Es ein gefährliches Spiel auf Leben und Tod.
Emilia, die Tochter der Galottis, lebt in dieser Welt aus Vätermoral, Muttermanipulation und
religiöser Verblendung in unaufgeklärter Einfalt.
In der durch die Mutter beförderten und durch den Vater verteufelten Verbindung zum
Prinzen erlebt Emilia kurzzeitig einen nie gekannten Lebensrausch, bevor die Wogen der
widerstrebenden Kräfte in ihr sie zu zerstören beginnen.Am Ende bleibt nur die Flucht in die religiöse
Irrationalität einer zur Selbstheiligung gesteigerten und der Antike entlehnten Selbsttötung.
Die Manipulierbarkeit einer bewußt im Ungebildeten gehaltenen Jugend, die als Spielball der
Machtinteressen benutzt wird, ist das Thema des 1772 entstandenen Stückes, dessen
Aktualität in der hier vorliegenden gekürzten und illustrierten Fassung für sich selbst spricht.
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